Rezension: Die Farbe von Schmerz

Du zerstörst mein Glück!

„Die Farbe von Schmerz“ beschäftigt sich mit den Themen: Mobbing, Selbstzweifel, familiäre Gewalt und Vorurteile.
Romy ist junge elf Jahre alt, als ihre Mutter einen neuen Mann kennenlernt und schon bald mit ihm zusammen ein gemeinsames Leben aufbaut. Erst scheint alles gut zu sein, ihre Mutter ist glücklich, tankt neuen Lebensmut und dann geschieht es – ihm rutscht die Hand aus. Was am Anfang noch ein Ausrutscher war, wiederholt sich schnell immer wieder und als Romy siebzehn ist, ist das grausame Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft.

„Sanft fahre ich mit den Fingern über den Fleck. Er hat die Form eines Schwans. Mit langem Hals und breitem Körper. Sein Schnabel reicht bis an meinen untersten Rippenbogen, die Schwanzfedern berühren meine linke Hüfte. Ein Kunstwerk in Blau-Lila.“

Aus Schlägen mit der Hand werden die Faust und Tritte.
Aus Sätzen werden verbale Misshandlungen.
Kein Raum ist sicher und keine Tageszeit.

Ihr Körper ist entstellt von blauen Flecken und die Seele gleicht einem zerrissenen Netz. Nichts, das sie auffängt und schützt. Nichts, das nicht schon kaputt wäre, denn ihre Mutter verschließt die Augen oder scheint garnichts davon zu wissen.

„Ich bin allein. Das weiß ich jetzt. Und ganz langsam reift ein Gedanke in mir. Eine fixe Idee, die ohne mein Zutun zu etwas großem heranwächst.“

Als ich dieses Buch in den Händen hielt und die ersten Seiten las, war ich gefesselt und erschüttert zugleich. Sofort leuchtete in meinen Augen Hass. Hass diesem Menschen gegenüber, der zu so etwas fähig ist. Der sein (Stief)-Kind schlägt und verbal erniedrigt. Die Gefühle in mir tobten und wurden von Kapitel zu Kapitel zu einem zerstörerischen Orkan.

A. L Kahnau hatte mich somit schnell in ihren Bann gezogen und mit ihrem Schreibstil die dunklen Seiten des Lebens ans Tageslicht gebracht. Themen die unter der Oberfläche brodeln, die sich durch Narben auf der Haut zeigen und kaum einer scheint diese Signale zu sehen – zu verstehen. Dinge, die vielleicht sogar in deinem Umfeld passieren können.

Romy ist ein liebenswürdiger und starker Mensch, der dennoch zerbrochen ist. Zerbrochen an der Hoffnung zu ihrer Mutter, zerbrochen am Mobbing von der Familie und durch Schweigen und stille Zustimmung überzeugt, dass sie wirklich ein schlechter Mensch sei. Zerbrochen an den Schlägen und an der Hoffnung, dass es das Gute im Menschen noch gibt.
Wer dies in frühster Kindheit erfährt oder sogar auch später, wird nie wieder der Mensch sein, der er mal war. Er wird dadurch geformt, ist geprägt von Selbstzweifeln und wird Spuren davontragen, die zu Krankheiten werden, wie Depressionen und Angstattacken. Krankheiten, die in der Gesellschaft als Irrglaube gelten und belächelt werden. Doch sind sie mehr als Hirngespinnste, denn sie sind Schmerzen und durch körperliche Symptome geprägt.

Des Weiteren werden hier Vorurteile aufgegriffen, wo Menschen am Rande der Gesellschaft leben und ausgegrenzt werden. Wo der erste Blick durch das Bild geprägt wird, dass sie ’nichts‘ sind und den Platz in unserem Leben haben, der von der Gesellschaft erschaffen wurde. Wenn man aber den Menschen mit seinem ganzen Sein erfasst, ist er facettenreicher und meist auch sozialer, als höher gestellte Menschen in der Gesellschaft.

A. L. Kahnau schafft Brücken und einen Blick hinter die Fassade. Dass ein Lächeln die Dunkelheit verbirgt. Dass Nähe Angst hervorrufen kann. Dass Geräusche Flashbacks verursachen können und dass man auf kleine Signale achten sollte, denn nur mit Liebe und Verständnis kann man Wunden heilen.
Vor allem aber zeigt sie auch einen Weg auf, aus dem Kreislauf auszubrechen. Nichts darf sich wiederholen und auch als Opfer hat man Rechte. Rechte, die einem vielleicht gar nicht so klar sind und vor allem aber hat man das Recht sich zu wehren und nicht schweigend alles hinzunehmen.

Körperliche und psychische Gewalt ist strafbar und sollte angezeigt werden.

♥ Lieben Dank für das Rezensionsexemplar.♥

Dieses Buch bekommt 5 von 5 Möwen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s