Blogtour: Bionic Soul

„»Was fühlst du,
wenn dir eine seichte Brise durch die Haare fährt,
wenn sich die Sonnenstrahlen auf deine kalte Haut legen,
wenn du die ersten Sterne am Nachthimmel aufblitzen siehst,
du aber nichts weiter als ein Gewirr
aus Kabeln und Prozessoren bist?«
Dimitry Jenkins ist kaum von einem Menschen zu unterscheiden und doch ist er eine Künstliche Intelligenz. Als der Dritte Weltkrieg ausbricht und Nuklearbomben fallen, vergehen sechsundsiebzig Jahre, bis Dimitry reaktiviert wird. Auf der längst zerstörten Erde trifft er schließlich auf die Mechanikerin Stephanie und schließt sich ihrer Rebellengruppe mit einer speziellen Mission an. Doch ein seltsames Flüstern hallt durch sein Inneres, verfolgt ihn in seinen Träumen – eine Offenbarung, die seine Existenz in den Sog einer hoffnungslosen Reise zerrt: Projekt HD106906b.“

Nun wollt ihr noch mehr über „Bionic Soul“ wissen? Dann bekommt ihr hier ein wahnsinnig spannendes Moodboard, mit ein paar Infos zum WELTENAUFBAU!

Bionic Soul beginnt im Jahr 2123 in Chicago (Illinois) und spielt auch bis zum Ende dort, mit dem Unterschied, dass der Dritte Weltkrieg alles in Schutt und Asche gelegt hat.
Im 22. Jahrhundert ist die Welt moderner geworden: Smartphones wurden durch Smartchips ersetzt, die Zeitung taucht durch Spracheingabe medial am Spiegel auf und es gibt die neueste Bot-Reihe, die als Social-Communication-Bot-Reihe (SCB-Reihe) bezeichnet wird und den Familien in ihrem Alltag helfen soll. Dadurch sind die Androiden möglichst menschennah gebaut und ihr Fokus liegt auf Emotionen und die Sinneswahrnehmung, denn sie arbeiten viel mit Kindern zusammen und sollen psychologisch unterstützen können, wenn es nötig wird.

Auch Dimitry Jenkins ist ein SCB und lebt in seiner zugeteilten Familie, bis die ersten Nuklearbomben fallen und er deaktiviert wird. Erst im Jahr 2199 wird er reaktiviert und erwacht in seiner Heimat Chicago, die nun mehr einer steinig-sandigen Wüste gleicht und alles verdorrt scheint. Die Hochhäuser sind einem Ödland gewichen, das nur noch Ruinen offenbart und nur wenige Gebäude verschont hat.
Mitten im Ödland hat sich bereits eine neue zivilisierte Stadt entwickelt, die von den Generationen aus dem Stadtbunker erbaut wurde. „Golden City“ nennt man sie, denn in der Nacht wirkt sie durch all die Glühbirnen, die in den Gassen hängen, golden. Sie ist eher hölzern gebaut, die Häuser reihen sich in einem Konstrukt aneinander und sie erstreckt sich über ein ganzes Baseball-Stadion. In ihrer Mitte prangt die berühmte Sehenswürdigkeit Cloud Gate.

Die Städter haben sich teilweise an die radioaktive Strahlung gewöhnt, was ihr Leben dennoch sehr verkürzt. Die größte Gefahr birgt das verseuchte Wasser, das man nur grob filtern kann und auch neu angebaute Pflanzen haben eine deutlich verkürzte Lebensdauer und stammen größtenteils aus dem Stadtbunker.

Alles in allem ist die Menschheit um Jahrzehnte langen Fortschritt zurückgeworfen worden und lebt von Tauschhandel und muss sich gegen einige Gruppierungen von Banditen verteidigen, die sich die Nachkriegszeit zunutze machen. Doch nicht nur sie haben sich zusammengeschlossen: Eine Rebellengruppe sitzt versteckt in der „Golden City“ und bezieht Dimitry Jenkins in ihre Pläne. Sie gibt ihm wieder eine Aufgabe, die er mit der Zerstörung seiner alten Welt verloren glaubte

Doch wer sind die Charaktere?

Mit diesen 4 Steckbriefen stelle ich euch die wichtigsten Charaktere in Bionic Soul vor, die ich nicht geheim halten muss.
Dabei handelt es sich um den Protagonisten Dimitry Jenkins, der wichtigsten Nebenrolle Stephanie Wilson und um Polar und Thunder.

Ihr fragt euch sicherlich, warum sie nicht bei ihrem Geburtsnamen genannt wurden. Ganz einfach: Symbolnamen haben sich in der neuen Zeit durchgesetzt und haben ihren ganz speziellen Zweck. Mehr dazu erfahrt ihr natürlich im Buch.

Die Bilder sind übrigens von der Autorin handgezeichnet und nicht die einzigen, die dem Taschenbuch entspringen. Selbst der Buchsatz wird diesmal phänomenal und ist von Kapitelbildern, wie auch kleinen Skizzen geziert. Da wird die Liebe zum Detail deutlich und macht Lust auf mehr.

Ich hoffe ihr hattet Spaß. Gibt es einen Favoriten?

Leseprobe

Nachdem wir unsere eigenen Waffen am Eingang des Lagers abgeholt hatten, begannen wir unsere längere Fahrt. Ein paar Stunden sollte sie laut Stephanie dauern, immerhin hatten wir einen schweren Laster unter unseren Füßen, der kaum durch die Ruinen zu lenken war. Polar seufzte erleichtert auf und rutschte auf seinem Platz zwischen mir und Steph hin und her, denn er musste sich den Sitz nicht mehr mit der Waffenkiste teilen. Der warme Wind blies unablässig durch die fehlenden Türfenster, ließ meine Strähnen in alle Richtungen wehen. Bei einem kurzen Blick zu Stephanie konnte ich mich aber nicht beschweren, denn ihre langen Haare peitschten ihr um das Gesicht und ich fragte mich, wie sie überhaupt noch etwas sehen konnte.

»Netter Söldneranführer«, rutschte es mir plötzlich heraus.

»Fury?«, fragte Steph verlegen, obwohl sie genau wusste, wen ich meinte. »Er besitzt einfach eine große Klappe und nichts dahinter. Er hat mich schon oft um ein privates Treffen gebeten, aber er ist Söldner und ich habe zu viel um die Ohren, um auf irgendwelche Liebeleien einzugehen.« Sie strich sich ein paar Strähnen hinter die Ohren, die sich sogleich wieder lösten. Ihr Blick huschte immer wieder kurz zu mir. »Ich meine, in dieser Welt gibt es keinen Platz für die Liebe. Nicht, wenn so viele Menschen auf dich zählen. Es gibt zu wenig Zeit, zu viele Aufgaben und dein Leben ist ständig in Gefahr.«

»Dragonfly, milaja, dafür hat man doch Menschen wie mich. Ich greife dir gerne unter die Arme, damit du mal auf ein Date gehen kannst«, säuselte Polar und drehte sich mit einem verschmitzten Grinsen zu mir. Seine Augen waren nur noch zwei kleine Schlitze, deren Blick mir in diesem Moment nicht gefiel. »Zum Beispiel mit unserem Dimitry. Ich bin sicher, er ist ein wundervoller Liebhaber.«

»Nein«, platzte es aus Steph, bevor ich meine Stimme erheben konnte.

»Nein?«, fragte Polar. Wie konnte er so etwas nur ansprechen?

»Nein, nein, nein!«, schrie Stephanie erneut und drückte auf das Gas.

Wir wurden in die Sitze gepresst, erst dann bemerkte es auch Polar. »Mirrors Leute haben die Verfolgung aufgenommen. Blin! Ausgerechnet heute, als hätte ich es geahnt!« Wütend schlug er auf das Armaturenbrett, bevor er sich an den orangenen Chip an seiner Schläfe fasste und sich hektisch umsah. »Drei Leute – nein, vier! Vier Leute verteilt auf drei Buggys. Ist deine Waffe geladen, Dimitry?« Verdutzt schaute ich ihn an, unsicher, ob ich sie tatsächlich ziehen sollte. »Deine Waffe, Genosse!«, rief er schließlich und ich sah im Rückspiegel die Buggys immer näher kommen.

Wie programmiert nahm ich den Befehl zur Kenntnis, zog die Waffe, die mit einem Gurt auf meinem Rücken befestigt war, hervor und prüfte die Munition, wie Stephanie es mir vor der Abfahrt erklärt hatte. Sie war geladen. Schnell entsicherte ich sie und prüfte im Rückspiegel, wie nah die Angreifer bereits waren, doch nach einem Blick aus dem Fenster zog ich die Luft zischend ein.

Ein Kampfschrei entfuhr dem Fahrer, der seine Waffe aus dem Buggy heraus auf uns zielte.

»Runter!«, schrie Polar und zog mich dem Fußraum entgegen. Schüsse prallten laut hörbar an der Tür ab, die Motorengeräusche der anderen Buggys waren lauter geworden, verrieten, dass sie uns eingeholt hatten. »Dima, ziel aus deinem Fenster, ich decke die andere Seite!«

Steph hatte sich tief in ihren Sitz gelegt, nahezu blind fuhr sie Schlangenlinien um die Ruinen, während Polar mit seiner Waffe auf den Gegner zu ihrer Linken schoss.

Ich hielt das Repetiergewehr aus meinem Fenster, sperrig wehrte es sich gegen mich und ich blieb möglichst gebückt an den Sitz gepresst. Das nächste Fahrzeug näherte sich, weitere Schüsse fielen, mitunter aus meinem Gewehr, doch sie prallten nur am Buggy ab. Gelächter und Gebrüll vermischten sich mit den röhrenden Motorengeräuschen.

Plötzlich lenkte Steph scharf nach links, und für einen kurzen Moment fühlte es sich an, als würden wir kippen. Der Zusammenprall mit einem der Buggys stieß uns zurück auf die Reifen.

»Oi!«, jubelte Polar. »Bleiben nur noch zwei verdammte Wagen!«

Ein unheimliches Scheppern durchfuhr unseren Tanklaster, die Steine unter den Rädern, die sekundenweise in verschiedene Richtungen drehten, knirschten.

»Wo sind sie, Polar?«, fragte Stephanie am Steuer.

Akribisch ließ er seinen Blick wandern: »Rechts! Jetzt!«

Steph zögerte nicht und riss das Lenkrad herum. Das erneute Scheppern und ein Knall deutete daraufhin, dass wir etwas gerammt hatten, doch es war nichts zu sehen.

»Blin «, fluchte Polar, dessen Schweißtropfen an seinen Augenbrauen herunterflossen. Immer wieder kniffen seine Augen zusammen – wie die meinen. »Ich decke die linke Seite, du die rechte, Dima. Sie umschließen uns, diese Hunde!«

Entschlossen hielt ich das Gewehr schussbereit, aber ein seltsamer Lärm lenkte meine Aufmerksamkeit zur Fahrerseite.

»Scheiße, verdammt, einer von ihnen ist auf unserem Dach. Die schrecken ja vor nichts zurück. Festhalten!«, schrie Stephanie und beschleunigte ein weiteres Mal, während wir nach verdächtigen Geräuschen lauschten.

»Hi.« Das Flüstern breitete sich in meinem Körper aus, ließ mich erstarren. Langsam drehte ich den Kopf zu dem nahen Gesicht des Banditen, der den Lauf seiner Waffe auf meine Schläfe presste.

Im nächsten Moment landete Polars Faust mit voller Wucht in seinem Gesicht. Heulend verlor dieser den Halt und krachte hart auf dem Boden auf. Im Seitenspiegel sah ich ihn immer noch rollen und wandte mich schließlich zu Polar, der unschuldig mit den Schultern zuckte. »Sibirische Kampftaktik. Sowas sieht niemand kommen. Kurz und effektiv.«

Stephanie lachte laut auf – trotz der prekären Lage hatte sie alles im Blick, ihre Ohren lauschten in jede Richtung. Unglaublich, wie ausgeprägt ihre Instinkte waren. Selbst wenn man versuchte, sie in Androiden wie mir einzubauen, kam es doch in keinster Weise zum gleichen Ergebnis, da sie an Emotionen gekoppelt waren. Während Menschen schon von Anbeginn ihres Lebens mit Gefühlen konfrontiert waren und sie zu ihrem Besten nutzen konnten, musste ich meinen Körper und die Gedankengänge daran gewöhnen, lernen sie richtig einzuschätzen und mit ihnen umzugehen.

»Dimitry!«, riss mich Polar schreiend aus den Gedanken. »Schieß doch, schieß, tovarishch

Zu tief in Gedanken versunken hatte ich den Buggy übersehen, der nun immer wieder an unsere Seite rammte – wie die Mücke bei einem Elefanten. Wir pressten uns tiefer in die Sitze, um uns vor den Kugeln zu schützen und versuchten, die übrig gebliebenen Banditen zu fokussieren, doch der Fahrtwind und die Unberechenbarkeit des Gegners ließen die Patronen ihr Ziel verfehlen.

»Verdammte Scheiße!«, platzte es aus mir heraus, als mein Schuss erneut in die Leere ging.

Überrascht starrten mich Polar und Stephanie an.

»Was ist los?«, fragte ich, schaute über die Schulter, um sicherzugehen, dass sich kein Bandit hinter mir befand.

»Du hast geflucht«, sagte Steph grinsend.

»Das erste Mal! Du machst Fortschritte, moy drug «, ergänzte Polar mit einem grellen Lachen, als Stephanie sich auf ein weiteres Lenkmanöver konzentrierte.

»Ich hab eine Idee«, sagte sie plötzlich. »Seht hin und lernt.«

In ihren Augen war ein Feuer entfacht – unerwartet riss sie das Lenkrad nach rechts und steuerte ungehalten in die falsche Richtung, wie ich an Polars fragender Miene erkennen konnte. Die beiden übrig gebliebenen Buggys folgten uns weiterhin und wussten sicher nicht, worauf sie sich eingelassen hatten. Immerhin waren wir ihnen zu dritt schon überlegen.

»Und los geht’s!«, schrie Steph über weitere Schüsse hinweg und trat das Gaspedal durch.

Vor uns erstreckte sich ein nahezu ruinenloser Boden, steinig und sandig bot er eine hohe Beschleunigung. Mein Körper fühlte sich mit dem Sitz verschmolzen, als säße jemand Schweres auf meiner Brust, meine Waffe hing wie ein Magnet an mir. Der Fahrtwind peitschte mir ins Gesicht, ich spürte ihn in den Zwischenräumen meiner Verkabelung, die seit der Nuklearbombe teilweise frei lag und fürchtete, dass etwas beschädigt werden könnte, doch die Angst wurde hinfort gedrängt, als Stephanie schrie, dass wir uns festhalten sollten und mein Körper viel zu spät darauf reagierte. Die Vollbremsung ließ die Räder knirschen, Polar stützte sich mit aller Kraft gegen das Armaturenbrett, doch ich wurde unsanft nach vorne geschleudert. Einzig mein schweres Gewicht hielt mich davon ab, aus dem Fahrzeug zu fliegen.

»Komm schon, du verdammtes Ding!«, schrie Steph verzweifelt. Der Tanklaster wollte einfach nicht zum Stillstand kommen, schlitterte mit hoher Geschwindigkeit über den Boden.

Erst als ich die beiden Banditen mit ihrem Fahrzeug von der Bildfläche verschwinden sah, begriff ich, was geschehen war und bevor wir die kaum sichtbare Klippe erreicht hatten, stoppten die Räder endlich. Angespannt schaute ich zu meinen Gefährten – Stephanies Haare waren in einem Chaos über ihren Kopf verteilt, allein die hüpfenden Strähnen vor ihrem Mund verrieten, dass sie noch atmete. Polar befand sich immer noch in derselben Position, wie ihn die Vollbremsung zurückgelassen hatte – den Kopf auf die Hände vor ihm gestützt. Es vergingen einige Momente, kreischend schrie die plötzliche Stille durch meine Ohren, bis Stephanie sich seufzend zu uns drehte. »Alles okay bei euch?«

Unter Schock nickte ich wortlos.

»Das war«, hauchte der Sibirier erst und hob langsam den Kopf, »einfach nur die beste Verfolgungsjagd in meinem ganzen Leben!« Lachend schrie er vor Freude auf, schüttelte mich und schlug mir mehrmals auf die Schulter. »Habt ihr das gesehen?! Wie sie einfach von der Erde geflogen sind, wie zwei duraka ! Dva duraka kak ptitsy!« Er machte eine Flügelbewegung wie die eines Vogels und ich vermutete, dass er ihren Absturz damit verglichen hatte.

Wir stiegen aus dem Riesenbaby von Fury, um sicherzugehen, dass die Banditen Geschichte waren. Die Klippe stellte sich als ein gigantischer Bombenkrater heraus, an dessen Grund nun zwei zerschundene Buggys lagen. Nichts bewegte sich mehr um die Fahrzeuge.

»Na, wie mutig seid ihr jetzt, ihr kleinen Scheißkerle!«, rief Polar, während seine Stimme durch die Weiten hallte.

Ich hoffe ihr hattet viel Spaß und nun wünsche ich euch noch einen schönen Sonntag. 🙂

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