Interview: Paola Baldin

Würdest du gerne jetzt einschlafen wollen und 76 Jahre später wieder aufwachen?

Das klingt jetzt vorwurfsvoll, weil ich das meinem Protagonisten angetan habe, haha! Ich würde es auf jeden Fall sehr interessant finden zu sehen, was sich nach all der Zeit in unserer Welt verändert hätte. Da die Gesellschaft und auch die Umwelt langsam den Bach runtergehen, fürchte ich, erwartet mich nach 76 Jahren kein schöner Anblick. Vor allem würde ich niemals meine Lieben zurücklassen wollen. Es muss furchtbar sein, aufzuwachen und zu wissen, dass fast keiner mehr existiert, der einem lieb war. Da bleibe ich lieber in der Gegenwart.

Was würdest du vermissen, in einer Welt aus Sand, Steinen und Ruinen?

Definitiv die Pflanzen. Ihr werdet das auch durch Dimitry im Roman ganz gut herauslesen können. Ich liebe das saftige Grün der Wiesen, ihren Geruch im Sommer von frisch gemähtem Gras. Ich würde die bunten Farben der Natur vermissen und natürlich die vielen Tiere, die bei uns heimisch sind. Ich selbst bin absolut kein Wüstenfan und bin am liebsten von Blumen und Bäumen umgeben, daher würde ein Ödland mir den Boden unter den Füßen wegziehen.

Hättest du eine Vorstellung, wie du deinen Tag verbringen würdest?

Auf jeden Fall. Wenn ich in der „Golden City“ aus Bionic Soul leben würde, würde ich vermutlich einem Beruf nachgehen, der das Überleben meiner Familie sichert, denn dort hat Geld keine Bedeutung mehr. Du musst dir das zum Beruf machen, was du am besten kannst, um von den anderen Städtern bspw. Nahrung zu bekommen oder andere Hilfe zu erlangen. Es ist ein Geben und ein Nehmen. Aber mal ganz nebenbei: Ich bin tatsächlich bereits ein Minicharakter im Buch und nur wenige werden mich wiedererkennen, vermutlich nur meine Familie. Kleiner Tipp für die anderen: Es hat was mit dem Begriff „Baum“ zu tun 😉

Angenommen, du würdest plötzlich erfahren, dass du von einem Wissenschaftler erschaffen wurdest, wie wäre deine erste Reaktion und hätte es Einfluss auf dein Leben?

Wenn ich nicht wüsste, dass ich eine Künstliche Intelligenz bin, wäre ich erstmal ziemlich schockiert, aber wer wäre das nicht? Ich denke, ich würde versuchen mehr darüber herauszufinden und meiner Existenz auf den Grund gehen, wie es auch Dimitry tut. Ein Android und kein Mensch zu sein, würde alles verändern und doch nichts. Denn was macht es für einen Unterschied, wenn ich trotzdem fühle? Jede Existenz ist ein eigenes Universum und wir können nicht hinter die Kulissen sehen, wissen nicht, was das andere Wesen denkt, daher sollten wir keine Vorurteile haben und die Denkweise ablegen, dass nur ein Mensch alleine das Recht hat, zu existieren. Genau dieses Thema greife ich in der Dystopie auf und hier ein kleiner Denkanstoß: Gefühle sind nicht greifbar und doch aus unserem Gehirn kreiert, das wie ein programmierter Prozessor fungiert. Ist es da ein Unterschied, woher die Gefühle kommen, wenn sie existent sind?

Wenn du dein Wesen betrachtest, deine Ansicht auf die Welt und wie sie in paar Jahren sein könnte, hättest du Ambitionen, dich einer Rebellengruppe anzuschließen?

Absolut! Ich würde mich an die Spitze stellen und andere Menschen an unserer Mission teilhaben lassen. Aber der Begriff „Rebellen“ ist weitläufig, so ist es wichtig, gegen was man rebelliert, denn es kann auch in die negative Seite umschlagen. Ich würde für eine soziale Gemeinschaft kämpfen, ein friedliches Miteinander und den Aufbau einer fairen, gesunden Welt. Zusammen mit anderen Menschen kann man einiges erreichen.

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