Mira und Samuel sind Freunde. Sie teilen die Liebe zum Basketball, verlieren sich aus den Augen und ihren geliebten Sport und treffen unerwartet wieder auf einander. Natürlich will das Schicksal, dass sie zusammen arbeiten und es kommt zu einer Aussprache. Doch was war in der Zwischenzeit passiert? Wie hat sich deren Leben verändert – gerade durch den herben Schicksalsschlag, nicht mehr spielen zu können.

In diesem Buch treffen so viele Handlungsstränge aufeinander, dass man meinen könnte, es ist kaum in einem Buch zu bewerkstelligen, ohne das ein Thema zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Pustekuchen. Julia hat es geschafft. Sie hat alles miteinander verknüpft, zum Leben erweckt, in einem selbst verankert und einen auf eine Reise mitgenommen, die einen Emotionen entlockte, tief berührte und sprachlos zurück lies.

„Kämpfe für das, was du liebst, andernfalls lebst du nicht.“

Was aber, wenn du so sehr liebst und die Kämpfe mit dir selbst austrägst, um die Familie nicht weiter zu verletzen, aber damit dich zerstörst?
Die Familie unterdrückt Mira, laugt sie aus, setzt falsche Signale und pflanzt Situationen in ihren Kopf, die sie lähmen. Sie wollen ihre Träume durch sie leben und schützen, was nicht ihre Aufgabe ist.
Es war erschreckend zu lesen, was die Familie mit ihr macht. Hier hat die Autorin ein Szenario geschildert, dass bestimmt in vielen Sportlerfamilien gang und gebe ist. Die Kinder zu drillen, zerplatzte Träume durch ihre Kinder wahr werden zu lassen usw.
Nichts ist aber schlimmer, wenn die Eltern ein Kind so manipulieren, dass es für alles verantwortlich ist. Durch Schweigen, durch Ereignisse, die sie immer wieder ins Leben zu rufen, durch Druck und Ängste schürend.

„Nichts kommt bei mir an, nur ein dringender Wunsch, der in meinem Kopfgefängnis wächst.“

Mira hat so viel Pflichtgefühl und vergisst dabei sich selbst. Sie durchlebt Ängste, zerreißt an dem starken Gefühl spielen zu wollen und sich aus der Spirale zu befreien, die ihre Familie immer wieder ins Kreisen versetzt. Nur ihre Freunde und Samuel geben ihr Halt – die Kraft, etwas zu verändern.

„Er sieht mich eindringlich an, als wolle er mir mit seinem Blick verdeutlichen, was seine Worte verschleiern. Wie etwa, dass es ihm selbst vielleicht gar nicht so unwichtig ist, wie er tut. Vielleicht ist ihm sogar bewusst, dass er das sagt, ohne den Silben ihren wahren Inhalt mitzugeben. Vielleicht merkt er, dass seine Sätze ein Mantel für das eigentliche Gefühl sind, ein Schutz, um sich ihnen nicht stellen zu müssen.“

Wenn man aber mal die Handlung Nebensache werden lässt, bekommt man in diesem Buch noch viel mehr geboten, als eine flüssige, ausgereifte Geschichte, die Themen anspricht, die einen wirklich berühren. Viel mehr aber, berühren mich Julias Worte. Worte, die sie in Emotionen verpackt, die lyrisch daher kommen, die zwischen den Zeilen sprechen, glänzen und wirken. Die mich sprachlos machten und das Buch trugen. Sie waren federleicht melancholisch, schwer im Herzen liegend, glänzend als Warnhinweis und einfach bezaubernd. Julia hatte es geschafft, Themen anzusprechen und sie dennoch nicht so schwerwiegend wirken zu lassen, da sie lyrisch daher kamen, Mira in einem selbst zum Leben erweckten und so in die Geschichte zogen, das die ganze Bandbreite nicht als geballte Ladung kam, sondern wohl dosiert, der Situation entsprechend und hier und da mit Witz aufgelockert wurden.

Vergesst hochrangige, gehypte Namen und widmet euch dieser Autorin. Sie ist es wert und wird euch mit dieser Geschichte umhauen.

Ich kann dieses Buch nicht nur Sportlern empfehlen, sondern Lesern, die es tiefgründig mögen. Die zwischen den Zeilen lesen wollen und anspruchsvolle Kost mit einem Hauch Melancholie mögen.


Dieses Buch bekommt 5 von 5 Uhrenweiten

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